49
Juden zu weichherzig wären, um einen Glaubens⸗ genoſſen mitten aus der Judengaſſe abführen zu ſehen.
Ephraim verſprach über den Vorfall zu ſchwei⸗ gen und fragte die Leute ob ſie nicht wüßten, weßhalb er auf das Rathhaus geladen ſei.
„Es wird Ihnen weiter nichts geſchehen,“ ſagte einer der Polizeimänner,„aber Sie werden halt Soldat werden müſſen, wenn man Sie tauglich findet. Sehen Sie, es iſt grade jetzt die jährliche Recrutenſtellung und auf die Judengemeinde kommt ein Mann. Sonſt wiſſen die Juden immer durch⸗ zuſchlüpfen; der Herr Bürgermeiſter drückt ein Auge zu, und er weiß warum, aber diesmal haben ſie den Mann bezeichnet den ſie liefern wollen, und der Herr Bürgermeiſter iſt froh, daß er einmal einen Juden ſtellen kann, ohne daß es ſein Scha⸗ den iſt, weil man ihm ſchon manchmal unter die Naſe gerieben, daß er nur arme Bürgerskinder in den weißen Rock ſtecken läßt. Freilich, ſetzte der geſchwätzige alte Polizeimann hinzu, hat er ſich damit ausreden können, daß die Juden beſſer zum Handel als zum Soldaten taugen, aber an Ihnen hat er einen guten Fang gethan, ich
II. 4


