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Verſöhnungstag in einen ſchrecklichen Gerichtstag umgewandelt, und ihn mit der gräßlichen Phan⸗ taſie eines Höllenbreughel ausgeſtattet. Der jüngſte Tag des Chriſtenthums iſt nur eine vermehrte und verſchlimmerte Ausgabe jener dichteriſchen Schö⸗ pfung der jüdiſchen Altvordern.
In zehntägiger Buße bereitet ſich der arme Sohn Israels vor um mit tief gedemüthigtem Her⸗ zen vor dem furchtbaren Kriegsgericht des Him⸗ mels zu erſcheinen, und vier und zwanzig Stun⸗ den erträgt er dann eine körperliche und geiſtige Folter, die ſtark genug iſt um auf ein ganzes Jahr oder auf ein ganzes Leben jede Spur von männlichem Trotz und kräftigem Hochgefühl aus ſeinem Herzen wegzuätzen. Von Abend bis Abend kommt keine Nahrung, kein Tropfen Waſſer über ſeine Lippen. Die weißen langen Sterbekleider verwandeln die Synagoge in ein ungeheures Grab⸗ gewölbe, in welchem ſich die Leichen aus den Sär⸗ gen erhoben, um einen ſchrecklichen Sabbat zu feiern. Hunderte von mannshohen gelben Wachs⸗ kerzen brennen in Kaſten mit Erde gefüllt, als Sinnbilder der dahingeſchiedenen Seelen. Dieſe Flammen und die dichte Menſchenmenge geben der


