4.
Zwei Jahre des reinſten Geiſterlebens war über die beiden Freunde hingegangen, als endlich die Außenwelt an ſie herantrat, und gewaltſam in ihre ſtille Bahn eingriff.
Ephraim hatte bisher nicht die geringſte Kennt⸗ niß von den früheren Lebensſchickſalen des Mönchs und von den Umſtänden, die ihn zum Mitglied einer Prieſterkaſte gemacht, von deren Lebensweiſe und geiſtiger Anſchauung er ſoweit entfernt war. Der Mönch hatte noch niemals von ſich ſelbſt ge⸗ ſprochen, und Ephraim beſaß zu viel Zartgefühl um durch neugierige Fragen eine vielleicht ſchmerz— liche Wunde zu berühren. In der erſten Zeit dachte er, daß der Moͤnch in ſeiner Jugend ein ſchwärmeriſcher Chriſt geweſen, und in dem Be⸗ dürfniß nach Einſamkeit und ſtiller Forſchung in das Kloſter getreten ſei, wo ſich ſein Geiſt durch
II. 1


