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in einem abſeits liegenden Winkel der Stadt ſtehe wo die engen Straßen den Ueberblick des Baues hindern, und daß er zur Kloſterkirche der Liguo⸗ rianer gehöre.
Das eigenthümliche Mienenſpiel das ſich bei dieſem Namen auf dem Geſicht des Auskunft ge⸗ benden Wieners zeigt, reizt die Neugierde. Man braucht aber nicht lange zu forſchen um die um— laufenden ſchlimmen Gerüchte über das Treiben dieſer Mönche zu erfahren. Jeder Wiener wird Euch ſagen: Das ſind die frommen Väter mit den harten verkniffenen Geſichtszügen, die mit zur Erde gebeugtem Haupt und ſeitwärts ſchielenden Augen, den breitkrämpigen Hut tief in die Stirne gedrückt durch die Straßen der heitern Stadt wie
das boͤſe Gewiſſen ſchleichen. Sie dürfen nur zu zweien ausgehen um ſich gegenſeitig zu überwachen. Sie ſetzen das Geſchäft der ehemaligen Jeſuiten unter einer andern Firma fort; verſetzen die Milch des Glaubens mit bethörenden Stoffen, erſchleichen Erbſchaften und dringen verwirrend in das Fa⸗ milienleben. Ihr eifrigſtes Streben zielt dahin alles Licht zu verlöſchen bis auf die trüben rau⸗ chigen Kerzen ihrer Kandelaber.


