52
Sie hatte gewiſſermaßen die Geſichtstrauer zum Voraus angelegt, und der ganze Hof trug dieſe mit ihr.
Um nicht auf ſeinem Antlitz zu zeigen, was in der Tiefe ſeiner Seele vorging, blieb Ludwig hartnäckig in ſeinem Zimmer eingeſchloſſen, wo ihm ſeine Amme al⸗ lein Geſellſchaft leiſtete; je näher er ſich dem Ziele ſah, wo jeder Zwang für ihn aufhören würde, deſto demü⸗ thiger und geduldiger machte er ſich, deſto mehr zog er ſich, wie alle ſtarken Menſchen, die einen Plan haben, in ſich ſelbſt zurück, um ſich im entſcheidenden Augen⸗ blick mehr Federkraft zu verleihen.
Man hatte insgeheim die letzte Oelung dem Car⸗ dinal gegeben, der, getreu ſeiner Gewohnheit, ſich zu verſtellen, gegen den Anſchein und ſelbſt gegen die Wirklichkeit kämpfte und in ſeinem Bett empfing, als wäre er nur von einem vorübergehenden Uebel befal⸗ len worden.
Guénaud beobachtete ſeinerſeits das vollkommenſte Stillſchweigen; von allen Seiten mit Fragen bedrängt, antwortete er nichts, wenn nicht:„Seine Eminenz iſt noch voll Jugend und Kraft; doch Gott will, was er will, und wenn er beſchließt, das menſchliche Gebäude ſoll einſtürzen, ſo ſtürzt es auch nothwendig ein.“
Dieſe Worte, die er mit einer Art von Discretion, von Zurückhaltung, und gleichſam vorzugsweiſe aus⸗ ſtreute, wurden von zwei Perſonen mit großem Inter⸗ eſſe erläutert: vom König und vom Cardinal. Tcrpotz der Prophezeiung von Guénaud, hinter⸗ ling ſich Mazarin fortwährend, oder beſſer geſagt, er pielte ſeine Rolle ſo gut, daß die Feinſten, indem ſie ſagten, er hintergehe ſich, bewieſen, daß ſie von ihm bethört waren..
Seit zwei Tagen vom Cardinal entfernt, das Auge ſtarr auf die Schenkung geheftet, die den Cardinal ſo ſtark beſchäftigte, waßte Ludwig nicht genau, woran Mazarin war. Die väterlichen Ueberlieferungen ver⸗ folgend, war Ladwig XIV. bis dahin ſo wenig Kunig
—


