Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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ein großer Eroberer zu ſein, und ſogar in meinen verliebteſten Augenblicken kann die Gegenwart eines Dritten mich eiskalt machen.

Wie ſo? eines Dritten? rief der Unterlieute⸗ nant, indem er ſich auf ſeinem Stuhl aufrichtete und ſich verſicherte, daß ſein Schnurrbart noch im⸗ mer die Steifheit eines Pfriems beſaß;haben Sie mir nicht geſagt, ſie ſei ganz allein und vereinſamt; ſie ſei eines jener glücklichen Kinder des Zufalls, die weder Vater, noch Mutter, noch Bruder, noch Onkel, noch Vetter beſitzen; kurz, an ihrem Himmel ſei keine jener Wolken, welche dieſem armen Mäd⸗ chen die einzigen guten Augenblicke ihres Daſeins verdüſtern und ſie unaufhörlich an eine Haushal⸗ tung, an einen geſegneten Ehebund mit einem ehr⸗ ſamen Schreiner oder tugendhaften Keſſelflicker er⸗ innern, während der Offizier und zumal der Unter⸗ lieutenant ſie ſtolz und glücklich wie Königinnen machen kann, wobei all dieſe langweiligen Umſtände wegfallen?

Ich habe Ihnen die Wahrheit geſagt, Louville, ſie iſt Waiſe in des Wortes traurigſter Bedeutung, antwortete Gratien.

Nun wohl, was hält Sie denn auf? wer ſteht Ihnen im Weg? Sollte etwa Mamſell Francotte, ihre Prinzipalin, ſichs beigehen laſſen die Süßig⸗ keiten anhören zu wollen, die Sie Ihrem Liebchen ins Ohr flüſtern? Will die verehrungswürdige Schnepfe wiſſen, ob die Liebe heutzutage eine an⸗ dere Sprache führt, als im Jahr 1808, oder ſollte ſie ſich etwa auf die Moral geworfen haben, ſeit ihre Reize gänzlich vergilbt ſind? In dieſem Fall