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ihrer Behutſamkeit beinahe unwillkührlich ihre trau⸗ lichen Mittheilungen mitanhören mußte.
Einer der beiden Offiziere mochte vier⸗ bis ſechsundzwanzig Jahre alt ſein: er hatte brandrothe Haare, aber trotz dieſer verwegenen Schattirung fehlte es ſeiner Phyſiognomie nicht an einer gewiſſen Diſtinction und einem gewiſſen Zauber.
Der zweite war, was man hergebrachtermaßen einen ſchönen Soldaten nennt.
Er hatte fünf Fuß ſechs Zoll, breite Schultern und eine ſo ſchlanke Taille, daß Eiſerihogr⸗ woran es bei ſolchen Vorzügen niemals fehlt, verſicherten, er verdanke dieſe außerordentliche Schlankheit nur
künſtlichen Mitteln, die er vom ſchönen Geſchlecht
geborgt habe.
Dieſe Taille hob die Entwicklung der Bruſt und das Hervortreten der Hüften, dem auch noch die weiten Hoſen zu Statten kamen, bei denen man an Crinoline hätte denken können, wenn die Crino⸗ line damals ſchon erfunden geweſen wäre, ganz vortrefflich hervor. Dieſe phyſiſche Ueberlegenheit wurde vervollſtändigt durch ein Geſicht, auf welchem alle Roſen ſo wie alle Veilchen bis zum eigentlichen Blau blühten. Letztere Farbe wurde durch einen ſchwarzen Bart hervorgebracht, der zwar ſorgfältig abraſiert war, aber ſich noch immer durch die Kraft
ſeiner Tinten offenbarte. Das, wie man ſieht, ſo
vielfach merkwürdige Geſicht wurde ferner durch einen Schnurrbart geſchmückt, der ſo ſorgfältig und mit einem ſo furchtbaren Schönheitsmittel gewichst war, daß man von ferne geſchworen hätte, er ſei von Holz; eine am untern Ende ſtark aufgeſtülpte


