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ſeine Nachkommenſchaft, welche der Baron zur Ver⸗ nichtung verurtheilte.
Er blickte bald ſeine Frau bald ſeinen Bruder an, und ſchien lebteren zu fragen, wie er ihm ſeine Mathilde, ein ſo hübſches, ſo gutes, ſo liebreiches Weibchen zum budſt machen könne.
Die Reize, mit denen die junge Frau ausgeſtattet war, und die ſie vermöge ihrer Liebe verdoppelte, verdreifachte und vervierfachte, waren ſie denn keine genügende Rechtfertigung? Oder hatte der Baron gleich Alceſt den Weibern ewigen Haß geſchworen?
Aber wenn er an ſich ſelbſt dachte, wenn er überlegte, daß allerdings er, der in Frankreich ge⸗ blieben war, der ſich keinen Gefahren des Kriegs ausgeſetzt, der keine der Mühſeligkeiten der Emi⸗ gration überſtanden hatte, jetzt reich war, während ſein Bruder Nichts als ſeinen Degen und ſeine Epauletten aus der Verbannung mitgebracht hatte, ſo überkam ihn einen Augenblick ein Zweifel, und er fragte ſich, ob er nicht wirklich durch Annahme der Erbſchaft von Tante Beauterne eine ſchlechte Handlung begangen habe.
Ohne ſich noch mit weiterem Nachdenken zu be⸗ mühen, ohne ſich an die Zeichen des Widerſtandes zu kehren, welche ſeine holde Mathilde ihm machte, die ſich nicht wie der heilige Martin mit der Hälfte eines Mantels begnügte, bat er daher ſeinen ältern Bruder um Verzeihung wegen eines Fehlers, deſſen Folgen ihm jetzt erſt klar geworden ſeien, ver⸗ langte augenblicklich, der Baron ſolle die Hälfte vom Vermögen der Stiftsdame annehmen, und


