19
in dieſem Thurme verſammelten ſich, um die Todten der Hoſpitäler von Caen zu ſeciren, die Studenten der Medicin. Die Tradition verſicherte, dieſe glühenden Schüler der Wiſſenſchaft ſtudiren nicht nur in anima vili, ſondern es liefern ihnen auch Entheiliger der Kirchhöfe Todte, die an Krankheiten verſchieden, welche ariſtokratiſcher als die, die den Armen zu treffen pflegen und in den Hoſpitälern herrſchen.
Die zwei glänzenden Augen des Thurmes waren entflammt durch das innere Licht, bei deſſen Helle die Studenten arbeiteten.
Die ſchwarzen, krächzenden Raben, die ſich vom Morgen bis zum Abend in einem unheimlichen Wirbel um die Spitze des Thurmes drehten, was ſuchten ſie hier? was forderten ſie mit heftigem Geſchrei, wenn man ſie warten ließ? Die Fetzen Menſchenfleiſch, die ihnen ſo reichlich Nahrung lieferten, daß ſie, wenn ſie ihre Tafel auf der Spitze des Thurmes hatten, ihr Futter nicht anderswo zu ſuchen brauchten.
Das war es, was den Kindern bange machte, wenn ſie am Fuße dieſes Thurmes vorüberkamen; das ließ ſie bleicher werden; das machte reichlicher den Schweiß von ihren eiskalten Stirnen fließen, be⸗ ſonders wenn ſie auf ihrem Wege einem verſpäteten Arbeiter begegneten, der eine Laſt trug; denn ſie hiel⸗ ten dieſen Arbeiter für einen Todtendieb! denn ſie hielten dieſe Laſt für eine Leiche!
Ein Lied der Leute vom Hafen, ein Lied ſo häß⸗ lich, ſo erſchrecklich als die Sache, auf die es ſich be⸗ zog, beſtätigte die Tradition und erhob ſie zum Range der Legende.
Dieſes Lied heißt:
C'est à l'Amphitéätre Qu'y a des écorcheux, Tant mieux!


