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„Sie iſt immer noch in Rouen?“
„Ja, mein Herr.“
„Macht ſie Geld?“
„Sie hat viel Succeß.“
„Das iſt es nicht gerade, was ich Sie frage.“
„Die Zeit iſt nicht ſehr günſtig für die Theater.“
„Ahl Sie ſind ihr Freund... Sie hat mir ge⸗ ſchrieben?“
„Hier iſt der Brief.“
Der junge Mann reichte mir einen Brief, den er nicht zwiſchen dem Daumen und dem Zeigefinger, wie es ein Poſtbote oder ein Handlungsdiener gethan hätte, ſondern zwiſchen dem Zeigefinger und dem Mit⸗ telfinger hielt.
Wenn ich einen Menſchen zum erſten Male ſehe, bemerke ich Alles, und das Geringſte fällt mir auf.
Die Hand, die mir den Brief reichte, war ſchön, zart, länglich; ſie hatte einen etwas langen Daumen, künſtleriſches Merkmal, feine Fingerglieder, Kennzeichen der Diſtinction in der Kunſt.
Dieſe Hand kam aus einem Mantel hervor, der in Falten denen der Draperie einer Bildſäule ähn⸗ lich fiel.
Der junge Mann hatte ſeinen Mantel im Vor⸗ zimmer nicht abgelegt; bei einem Anſcheine des Sich⸗ gehenlaſſens, war er alſo ſchüchtern, an ſich zweifelnd, wenig auf ſich vertrauend, da er, trotz des Briefes
von Dorval, nur einen Augenblick zu bleiben erwartete.
Er ſah, daß ich ihn anſchaute, und richtete mit


