Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Zweite Abteilung, Das Halsband der Königin : 10. und 11. Bändchen (1850) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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von Taverney ihrer Gewohnheit gemäß in das königliche Zimmer, zur Stunde der kleinen Toilette, vor der Meſſe.

Die Königin hatte noch keinen Beſuch empfangen. Sie hatte nur ein Billet von Frau von La Mothe ge⸗ leſen, und ihre Laune war äußerſt heiter.

Noch bleicher als am Tage vorher, hatte Andrée in ihrer ganzen Perſon jenen Ernſt und jene kalte Zurückhaltung, welche die Aufmerkſamkeit erregt, und die Größten zwingt, mit den Kleinſten zu rechnen.

Einfach, ſo zu ſagen ſtreng in ihrer Toilette, glich Andrée einer Bötin des Unglücks. War dieſes Unglück für ſie oder für Andere?

Die Königin hatte einen ihrer Tage der Zerſtreut⸗ heit; ſie achtete auch nicht auf den langſamen, ernſten Gang von Androe, auf ihre gerötheten Augen, auf die matte Weiße ihrer Schläfe und ihrer Hände.

Sie drehte den Kopf gerade nur ſo viel, als es rauchte, um ihren freundſchaftlichen Gruß hören zu aſſen.

Guten Morgen, Kleine!

Andrée wartete, daß ihr die Königin eine Gele⸗ genheit zum Sprechen gäbe. Sie wartete in der feſten Ueberzeugung, ihr Stillſchweigen, ihre Unbeweglichkeit würden am Ende die Augen von Marie Antoinette auf ſich ziehen.

Dies geſchah. Da ſtie keine andere Antwort, als eine tiefe Verbeugung erhielt, wandte ſich die Königin um und erblickte, ſchräge, dieſes Geſicht mit dem ſcharfen Gepräge des Schmerzes und der Strenge.

Guter Gott! was gibt es, Andrée? fragte ſie, indem ſie ſich ganz umwandte,iſt Dir Unglück wider⸗ fahren?

Ein großes Unglück, ja, Madame, antwortete die junge Frau.

Was denn?

Ich werde Eure Majeſtät verlaſſen.

Mich verlaſſen? Du gehſt von hier weg?