Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Zweite Abteilung], Das Halsband der Königin : 1.-4. Bändchen (1849) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Herrn von Rohan eben ſo ergeben wäre, als Sie es mir ſind?

Nun, Monſeigneur?

Wenn er die Flaſche verweigerte, wie Sie es ſelbſt gethan hätten?.

Ich, Monſeigneur?

Ja, ich denke, Sie wülben eine ſolche Flaſche nicht hergeben, wenn ſie ſich in meinem Keller fände?

Ich bitte Monſeigneur unterthänigſt um Ver⸗

zeihung; wenn ein College, der einen König zu be⸗

wirthen hätte, zu mir kaͤme und mich um Ihre beſte Flaſche Wein bäte, ſo würde ich ſie ihm auf der Stelle geben.

Ha! ha! machte der Marſchall mit einer leichten Grimaſſe.

Wenn man unterſtützt, wird man unterſtützt, Monſeigneur.

Somit bin ich beinahe beruhigt, ſprach der Marſchall mit einem Seufzer;doch wir haben noch einen ſchlimmen Fall zu befürchten.

Welchen?

Wenn die Flaſche zerbricht?

Ah! Monſeigneur, es gibt kein Beiſpiel, daß je ein Menſch eine Flaſche von zweitauſend Livres zer⸗ brochen hat.

Ich hatte Unrecht, ſprechen wir nicht mehr davon;

um welche Stunde wird Ihr Courier ankommen?

Auf den Schlag vier Uhr.

Wer hindert uns dann, um vier Uhr zu ſpeiſen? verſetzte der Cardinal, halsſtarrig, wie ein caſtiliani⸗ ſches Maulthier.

Monſeigneur, mein Wein braucht eine Stunde, um auszuruhen; und dazu bedarf es noch eines Ver⸗ fahrens, deſſen Erfinder ich bin, ſonſt müßte er drei Tage haben. 5

Auch dießmal geſchlagen, verbeugte ſich der Mar⸗ ſchall vor ſeinem Haushofmeiſter, um ſeine Niederlage zu bezeichnen.