306 Ereigniſſe und Perſonen ſtellen muß. Glaubt mir aber,
Madame, ſo wahr ein Herz in dieſer Bruſt ſchlägt,
Ihr ſeid das beſtändige Idol unſeres Lebens geweſen, das wir, wie Ihr wohl wißt, zwanzig Mal für Eure Majeſtät gewagt haben. Sprecht, Madame, wird Eure Majeſtät nicht Mitleid mit ihren Dienern haben, welche ſeit zwanzig Jahren im Schatten vegetirten, ohne in einem einzigen Seufzer die heiligen, ſeierlichen Geheim⸗ niſſe entſchlupfen zu laſſen, die ſie mit Euch zu theilen das Glück hatten? Schaut mich an, mich, der zu Euch ſpricht, mich, den Ihr anklagt, daß er die Stimme erhebe und einen drohenden Ton annehme. Was bin ich? ein armer Offizier ohne Vermögen, ohne Schutz, ohne Zu⸗ kunft, wenn der Blick meiner Königin, den ich ſo lange geſucht habe, nicht einen Augenblick auf mir weilt. Schaut den Herrn Grafen de la Fore an, dieſes Muſter⸗ bild des Adels, dieſe Blume der Ritterſchaft: er hat gegen ſeine Königin Partei genommen, oder vielmehr nein, er hat Partei gegen ihren Miniſter ergriffen, und r macht keine Forderungen, wie ich glaube. Schaut Herrn Du Vallon an, dieſen treuen Freund, dieſen ſtählernen Arm: ſeit zwanzig Jahren erwartet er aus Euerem Munde ein Wort, das durch ein Wappen aus ihm machen ſoll, was er durch das Gemüth und die Tapferkeit längſt iſt. Seht endlich Euer Volk an, das wohl Etwas fuͤr eine Königin iſt; Euer Volk, das Euch liebt, und dennoch leidet; das Ihr liebt, und das den⸗ noch Hunger hat; das nichts Anderes verlangt, als Euch
zu ſegnen und Euch dennoch... Nein, ich habe Un⸗
recht; Euer Volk wird Euch nie fluchen, Madame. Sagt ein Wort, und Alles iſt abgethan. Der Friede folgt auf den Krieg, die Freude auf die Thränen, das Glück auf das Ungemach.“
Anna von Oeſterreich betrachtete mit einem gewiſſen Erſtaunen das martialiſche Geſicht von d'Artagnan,


