Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 17.-20. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Meine liebe Schweſter, was mich verlegen macht, iſt, daß ich ſchon eine Stunde unter Weges ſein ſollte, und daß wir nun an dem Gitter find, wo mein Pferd ſteht... alſo..

Andiée nahm ein ruhiges Geſicht an, ergriff die

Hand ihres Bruders und ſprach mit einem Ton, der zu na war, daß er richt eine Bewaͤltigung der Stimme ver⸗ rathen hätte:

Gott befohlenueltk Bruder.

Philipp umarmte ſie zum letzten Mal..

Auf Wieder ſehen! ſoot⸗ er,erinnere Dich Deines Verſprechens. 1

Welches Verſprech 8 Einen Brief wenig en d jede Woche.

Oh! Du verlangſt es.

Und ſie ſprach dieſe Worte mit einer äußerſten An⸗ ſtrengung: das arme Kind hatte keine Stimme mehr.

Philipp grüßte ſie mit einer Geberde und ent⸗ fernte ſich.

Andrée folgte ihm mit den Augen und hielt ihren Athem an ſich, um ihre Seufzer zurückzudrängen. 4

Philipp ſtieg zu Pferde, rief ihr von der andern Seite des Gitters noch ein Lebewohl zu und ſprengte fort.

Andrée blieb unbeweglich ſtehen, ſo lange ſie ihn ſehen konnte. Dann, als er verſchwunden war, wandte ſie ſich ab, lief wie eine verwundete Hirſchkuh bis in den Schatten, erblickte eine Bank und hatte nur noch die Kraft, dieſe zu erreichen und ohne Puls, ohne Leben, ohne Blick darauf zu ſinken. Dann entwand ſich der Tiefe ihrer Bruſt ein langes, unendlich ſchmerzliches Schluchzen, und ſie rief:

Oh! mein Gott, mein Gott, warum läſſeſt Ou mich ſo allein auf der Erde? 3 Und ſie verbarg ihr Geſan in ihren vänden und