Der alte Marſchall ſollte alſo ſeinerſelts den Weih⸗ rauch der Lobeserhebungen, der Schmeicheleien und der Liebkoſungen einathmen, welchen jeder Intereſſirte ohne Unterſcheidung vor dem Götzen des Tags anzündete. Herr von Richelieu erwartete indeſſen nicht Alles, was ihm begegnen ſollte; doch er erhob ſich am Morgen des Tages, zu dem wir nunmehr gelangt ſind, mit dem feſten Entſchluß, ſeine Naſenlöcher gegen den Weihrauch zu verſtopfen, wie einſt Ulyſſes ſein Ohr mit Wachs gegen den Geſang der Sirenen verſtopfte..
Das Reſultat ſollte für ihn erſt am andern Tag eintreten; es ſollte wirklich am andern Tage erſt die Er⸗ nennung des neuen Miniſterlums vom König ſelbſt be⸗ kannt gemacht und veröffentlicht werden.
Das Erſtaunen des Marſchalls war alſo groß, als er beim Erwachen, oder vielmehr durch ein gewaltiges Geräuſch von Wagen erweckt von ſeinem Kammerdiener erfuhr, die Höfe des Hotel ſeien wie die Vorzimmer und Salons überfüllt..
„Oh! oh!“ ſagte er,„ich mache Lärmen, wie es ſcheint.“ 3 „Es iſt ſehr frühzeitig, Herr Marſchall,“ ſagte der Kammerdiener, als er ſah, mit welcher Haſt der Herzog ſeine Nachtmütze von ſich warf.
„Fortan,“ ſprach der Herzog,„fortan gibt es keine Stunde mehr für mich, erinnern Sie ſich deſſen.“
„Ja, Monſeigneur.“
„Was hat man den Beſuchen geantwortet?“
„Monſeigneur ſei noch nicht aufgeſtanden.“
„Ganz einfach?“.
„Ganz einfach.“
„Das iſt eine Albernheit; man hätte beifügen ſollen, ich habe ſehr lange gewacht, oder vielmehr, ich müſſe... Sagen Sie, wo iſt Rafté?“ 8
„Herr Rafté ſchläft,“ antwortete der Kammerdiener.
„Wie, er ſchlaft! man wecke den Unglücklichen.“ „Gut, gut!“ ſagte ein noch friſcher Greis, welcher


