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Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 14.-16. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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LXVIII. Das Todtenfeld.

Auf gewaltige Stürme folgt immer die Ruhe, eine furchtbare, aber wiederherſtellende Ruhe.

Es war ungefähr zwei Uhr Morgens, große, über Paris hinlaufende, weiße Wolken zeichneten in kräftigen Zügen, unter einem blaſſen Monde, die Ungleichheiten dieſes traurigen Bodens, in deſſen Gräbern die entfliehende Menge Tod und Verderben gefunden hatte.

Beim Scheine des Mondes, der ſich von Zeit zu Zeit im Schooße der flockigen Wolken verlor, welche das Licht dämpften, erſchienen am Rande der Böſchungen und in den Pfützen und Aushöhlungen des Platzes Leichname mit zerriſſenen Kleidern, die Beine ſtarr, die Stirne bleifarbig, die Hände als Zeichen des Schreckens oder der Bitte aus⸗ geſtreckt.

Ein gelblicher, ſtinkender Rauch, der den Trümmern des Gerüſtes entſtrömte, trug noch dazu bei, der Place Louis XV. den Anſchein eines Schlachtfeldes zu geben.

Mitten auf dieſem blutigen, verheerten Platze zogen in Schlangenwindungen geheimnißvoll und mit raſchen Schrit⸗ ten Schatten hin, welche zuweilen ſtehen blieben, ſich bück⸗ ten und dann entflohen. Dies waren Diebe zu den Todten, als ihrer Beute, hingezogen wie die Raben; ſie hatten die