Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 9.-13. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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leuchtete das Antlitz dieſes Mannes. Er ſtieß einen Schrei des Erſtaunens aus.

Oh! ich mag immerhin ſterben, murmelte Gilbert, doch ſie ſoll leben. Dieſer Mann hat die Macht, ſie zu retten.

Und in einem Aufſchwunge erhabener Selbſtverleug⸗ nung hob er das Mädchen in Armen empor und rief:

Herr Baron von Balſamo! retten Sie Fräulein Andrée von Taverney.

Balſamo hörte dieſe Stimme, welche wie die der Bibel aus den Tiefen der Menge hervorrief: er ſah über dieſer verſchlingenden Woge eine weiße Geſtalt ſich erheben, ſprang von ſeinem Weichſteine zu Boden und rief:Herbei zu mir! Sein Gefolge warf Alles nieder, was ihm ein Hinderniß entgegenſetzte; er ergriff Andrée, welche noch die kraftlos werdenden Arme von Gilbert unterſtützten, nahm ſie und trug ſie, fortgetrieben durch eine Bewegung der Menge, welche er zu bewältigen aufgehört, raſch weg, ohne daß er Zeit hatte, den Kopf umzuwenden.

Gilbert wollte ein letztes Wort ſprechen, vielleicht wollte er ſich den Schutz dieſes ſeltſamen Mannes, nach⸗ dem er ihn für Andrée erfleht, für ſich ſelbſt erbitten, doch er hatte kaum noch die Kraft, ſeine Lippen auf den herab⸗ hängenden Arm des Mädchens zu drücken und aus ihrer krampfhaft zuſammengepreßten Hand ein Stück aus dem Kleide dieſer neuen Eurydice zu zerren, die ihm die Hölle

entriß.

Nach dieſem äuſſerſten Kuß, nach dieſem letzten Lebewohl, hatte der junge Mann nur noch zu ſterben; er verſuchte es auch nicht mehr, länger zu kämpfen, ſchloß die Augen und fiel ſterbend auf einen Haufen von Ster⸗ benden.

Ende des dritten Bandes.