„Meiner Treue! er hat Recht,“ ſagte Herr Grange, „holt ein langes Schreibzeug für ihn, das er ſich an den Gürtel hängen wird.“
„Mit Feder und Papier,“ rief Gilbert.„Es liegt mir daran, daß das Coſtume vollſtändig iſt.“
Der Lackei eilte fort, um den Befehl zu vollziehen. Er war zu gleicher Zeit beauftragt, Mademoiſelle Chon von dem erſtaunlich guten Willen von Gilbert zu unter⸗ richten.
Mademoiſelle Chon war ſo entzückt, daß ſie dem Bo⸗ ten eine kleine Börſe gab, welche acht Thaler enthielt und mit dem Schreibzeug an den Gürtel des Muſterarztes ge⸗ hängt werden ſollte.
„Ich danke,“ ſprach Gilbert, dem man Alles brachte. „Will man mich nun allein laſſen, damit ich mich anklei⸗ den kann?“?..
„Gut, eeilen Sie ſich, damit Sie Mademoiſelle ſehen kann, ehe ſie nach Paris fährt.“
„Eine halbe Stunde, ich verlange nur eine halbe Stunde,“ erwiederte Gilbert.
2 2 5 „Drei Viertelſtunden, Herr Doctor,“ ſprach der In⸗
tendant, indem er die Thüre von Gilbert ſo ſorgfältig ſchloß, als wäre es die ſeiner Kaſſe geweſen.
Gilbert näherte ſich auf der Fußſpitze dieſer Thüre, um ſich zu verſichern, daß die Tritte ſich entfernten und ſchlüpfte dann bis zu dem Fenſter, welches auf acht⸗ zehn Fuß darunter liegende Terraſſen ging. Dieſe mit einem feinen Sande bedeckten Terraſſen waren mit großen Bäu⸗ men beſetzt, welche den Balcons Schatten verliehen.
Gilbert zerriß ſeine lange Robe in drei Stücke, band dieſe an einander, legte auf den Tiſch den Hut, neben den Hut die Börſe und ſchrieb: 5
„Madame,
„Das erſte der Güter iſt die Freiheit. Die heiligſte
der Pflichten des Menſchen iſt, ſie zu erhalten. Sie thun mir Gewalt an, ich mache mich frei.“
„Gilbert.“


