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ſeine Gebieterin ſo freudig machte, näherte ſich ihm krie⸗ chend und mit ſeinem langen, ſeidenen Schweife wedelnd, und wagte es ſogar, ihn zu liebkoſen..
Dieſer Mann, der vielleicht unempfindlich gegen die Bitten der Königin geblieben wäre, fühlte ſich ganz ge⸗ rührt bei den Liebkoſungen des Hundes.
„Schon dieſem kleinen Thiere zu Liebe, Bürgerin Ca⸗ pet, hätten Sie öfter ausgehen ſollen,“ agte er,„die Menſchlichkeit beftehlt, daß man für alle Geſchöpfe Sorge trägt.“
„Zu welcher Stunde werden wir hinabgehen?“ fragte die Königin.„Denken Sie nicht, daß uns die Sonne wohlthun dürfte?2
„Sie können hinabgehen, wann Sie wollen,“ ant⸗ wortete der Municipal,„es iſt kein beſonderer Befehl in dieſer Hinſicht gegeben worden. Wenn Sie jedoch um Mittag hinabgehen wollen, ſo wird es, da es der Au⸗ genblick iſt, wo man die Wachen wechſelt, weniger Be⸗ wegung im Thurme veranlaſſen.“—
„Wohl, es ſei, um Mittag!“ ſagte die Königin, in⸗ dem ſie die Hand auf das Herz legte, um die Schläge zuxückzudrängen.
Und ſie ſchaute dieſen Mann an, der minder hart zu ſein ſchien, als ſeine Amtsbrüder, und vielleicht als Lohn für ſeine Nachgiebigkeit gegen die Wünſche der Gefangenen das Leben in dem Kampfe verlieren ſollte, auf den die Verſchworenen ſannen.
Aber auch in dieſem Augenblick, wo ein gewiſſes Mitleid das Herz der Frau zu erweichen im Begriffe war, erwachte die Seele der Königin; ſie dachte an den 10. Auguſt und an die auf den Teppichen ihres Palaſtes um⸗ herliegenden Leichname ihrer Freunde. Sie dachte an den 2. September und an den Kopf der Prinzeſſin von Lam⸗ balle, der am Ende eines Spießes vor ihren Fenſtern emporgehoben worden war. Sie dachte an den 21. Ja⸗
nuar und an ihren Gemahl, wie er auf einem Blutge⸗ ruͤſte beim Raſſeln der Trommeln, welche ſeine Stimme


