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„Werdet Ihr bei ihm bleiben?“ wiederholte fie.
„Ich verlaſſe ihn nicht.“
„Ihr verlaßt ihn nicht, Ihr ſchwört es mir?“
„Mein Gott!“ murmelte Lenet, den jungen Mann anſchauend, der ſein Urtheil erwartete, und die junge Frau, welche ein Wort von ihm toͤdten ſollte;„mein Gott! da eines von Beiden verurtheilt iſt, ſo gib mir wenigſtens die Kraft, das andere zu retten.“
„Ihr ſchwöret nicht, Herr Lenet?“
„Ich ſchwöre es Euch,“ antwortete der Rath und legte mit der groͤßten Anſtrengung ſeine Hand an ſein Herz, das unter dieſer Marter beinahe brach.
„Ich danke, mein Herx,“ ſagte ganz leiſe Canolles, „ich begreife.“
Dann ſich gegen die Vicomteſſe umwendend, ſprach er:
„Geht, Madame, Ihr ſeht wohl, daß ich zwiſchen Lenet und dem Herrn Herzog keine Gefahr laufe.“
1 Lat ſie nicht gehen, ohne ſie zu küſſen,“ flüſterte enet.
Kalter Schweiß brach aus der Stirne von Canolles; er fühlte es wie einen Nebel vor ſeinen Augen hinziehen; er hielt Claire, welche wegzugehen im Begriffe war, zu⸗ rück, ſtellte ſich, als hätte er ihr einige Worte leiſe zu ſagen, näherte ſie ſeiner Bruſt und ſprach, ſich an ihr Ohr bückend:—
„Bittet ohne Erniedrigung; ich will für Euch leben, aber es muß Euer Willle ſein, daß ich geehrt lebe.“
„Ich werde ſo bitten, daß ich Dich rette;“ erwiederte ſie;„biſt Du nicht mein Gatte vor Gott?“
Und ſich zurückziehend, fand Canolles ein Mittel, ih⸗ ren Hals mit ſeinen Lippen zu berühren, aber mit ſo viel Vorſicht, daß ſie es nicht fühlte, und daß die arme Wahn⸗ ſinnige ſich entfernte, ohne ihm ſeinen letzten Kuß zurück⸗ zugeben. Doch in dem Augenblick, wo ſie den Hof ver⸗ ließ, wandte ſie ſich um; aber es hatte ſich zwiſchen ihr und dem Gefangenen eine Hecke von Menſchen gebildet.


