Teil eines Werkes 
Der Frauenkrieg : 7.-8. Bändchen (1846)
Entstehung
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Wohl bewahrten die Beſiegten vom zweiten Tage vor⸗ her, und beſonders diejenigen, welche einen Puff im Kampfe bekommen hatten, einen gewiſſen Groll gegen ihren Beſieger. Aber Canolles war ſo gut, ſo ſchön, ſo einfach, er ertrug zugleich ſo heiter und ſo würdig ſeine neue Lage, er war umgeben von einem Geleite ſo eifriger Freunde, die Offi⸗ ciere und Soldaten des Regimentes Navailles prieſen ihn ſo ſehr als ihren Kapitän und als Gouverneur der Inſel Saint⸗George, daß die Bordeleſen bald vergaßen. Sie hatten überdies ganz Anderes zu denken; Herr von Bouil⸗ lon kam am nächſten Tage oder zwei Tage nachher an, und aus den genaueſten Nachrichten ging hervor, der Köͤ⸗ nig würde ſpäteſtens in acht Tagen in Libourne ſein.

Frau von Condé zitterte vor Begierde, Canolles zu ſehen; ſie betrachtete ihn im Vorüberziehen hinter dem Fenſtervorhang verborgen und fand an ihm eine wahre Er⸗ oberermiene, welche vortrefflich dem Rufe entſprach, den ihm Freunde und Feinde bereitet hatten. Frau von Tour⸗ ville behauptete, im Gegenſatz gegen die Meinung der Frau Prinzeſſin, es fehle ihm an Diſtinction. Lenet verſicherte,

er halte ihn für einen muthigen Mann, und Herr von La⸗ rochefoucault beſchraͤnkte ſich auf die Bemerkung:

Ah! ahl hier iſt alſo der Held!

Man wies Canolles eine Wohnung in der großen ing der Stadt, im Schloſſe Trompette an. Am Tage atte er vollkommene Freiheit, in der Stadt ſpazieren zu ehen, ſeine Geſchäfte zu beſorgen oder ſeinem Vergnügen achzulaufen. Bei dem Zapfenſtreiche kehrte er nach Hauſe, Alles auf ſein Ehrenwort, nie eine Flucht zu verſuchen und nicht mit Denen außen zu correſpondiren.

Ehe Canolles dieſen letzten Schwur leiſtete, hatte er um Erlaubniß gebeten, vier Zeilen ſchreiben zu dürfen; dieſe Erlaubniß wurde ihm ertheilt, und er ſchrieb an Na⸗ non folgenden Brief:

Gefangen, aber frei in Bordeaur, auf mein Ehren⸗ wort, keine Correſpondenz mit Außen zu unterhalten,