„Viel, inſofern ich ſehr müde bin.“ „Ahl in der That,“ ſprach Canolles ſtille ſtehend und Caſtorin in das Geſicht ſchauend,„Du biſt ſehr müde?“
Und der Edelmann las deutlich auf dem Geſichte ſeines Lackeien den frechen Ausdruck der Bedienten, welche vor Verlangen, ſich aus der Thüre werfen zu laſſen, beinahe ſterben.
„Sehr müde!“ ſprach Caſtorin.
Canolles zuckte die Achſeln.
„Geh',“ ſagte er zu ihm,„halte Dich im Vorzim⸗ mer auf; wenn ich Deiner bedarf, werde ich läuten.“
„Ich ſage dem gnädigen Herrn zum Voraus, daß er, wenn er lange zögert, mich nicht mehr im Vorzim⸗ mer finden wird.“
„Und wo wirſt Du ſein, wenn ich fragen darf?“
„In meinem Bett; es ſcheint mir, wenn man zweihundert Stunden zurückgelegt hat, iſt es wohl Zeit, ſchlafen zu gehen.“
„Herr Caſtorin, Ihr ſeid ein Unverſchämter.“
„Findet der gnädige Herr, daß ein Unverſchämter nicht würdig iſt, in ſeinem Dienſte zu ſein, ſo hat der gnädige Herr nur ein Wort zu ſagen, und ich werde ihn von meinem Dienſte befreien,“ antwortete Caſto⸗ rin, ſeine majeſtätiſche Miene annehmend.
„Canolles befand ſich nicht in einem Augenblickder Ge⸗ duld, und wäre Caſtorin im Stande geweſen, nur den Schatten des Sturmes vorherzuſehen, der ſich im In⸗
nern ſeines Herrn zuſammenballte, ſo würde er offen⸗
bar, ſo ſehr es ihn auch drängte, ſich frei eehen, auf einen andern Moment gewartet haben, ihm dieſen Vorſchlag zu machen. Canolles ging gerade auf ſeinen Bedienten zu, nahm einen von den Knöpfen ſeines Rockes zwiſchen den Daumen und den Zeige⸗ finger, eine Bewegung, welche bei einem größeren Manne, als der arme Canolles je geworden iſt, Ge⸗ wohnheit war, und ſprach:


