Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
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Cäcilie ſtieß einen Seufzer aus und blickte gen Himmel.

Ich hatte ihn nur eine halbe Stunde verlaſſen, und das Fieber hatte Fortſchritte gemacht. Jetzt er⸗ kannte er mich kaum wieder, er hatte ein heftiges Fieber und jeden Augenblick ſagte er:ich athme Feuer, warum laßt ihr mich denn Feuer athmen. Dann verlangte er zu trinken, und ſprach von Ihnen immer von Ihnen, Cäcilie hier, Cäcilie dort, er ſagte, man wolle ſie von einander trennen; allein Sie ſeien ſeine Frau, und Sie würden wohl wiſſen, überall hinzugelangen, wo er ſei.

Er hatte Recht, Samuel! flüſterte Cäcilie.

Die Nacht verging ebenſo, er hatte immer bren⸗ nendes Fieber, ich ſprach von Ihnen, um ihn zu trö⸗ ſten, und ich ſah, obwohl er mich nicht mehr erkannte, daß er ſo oft zitterte, als ich Ihren Namen nannte. Dann verlangte er Feder, Tinte und Papier; er wollte wahrſcheinlich an Sie ſchreiben. Ich verſuchte, ihm zu Gefallen, einen Bleiſtift ihm zu geben, aber Alles, was er zu ſchreiben vermochte, waren die drei erſten Buchſtaben Ihres Namens. Er warf nun Blei⸗ ſtift und Papier weg und ſchrie:Feuer! Feuer! Du haſt mir Feuer gegeben.

Er hat alſo wohl ſehr gelitten? fragte Cäcilie.

Nun, das weiß man nicht, entgegnete Samuel; wenn der Verſtand nicht mehr da iſt, dann, ſagen einige, habe der Schmerz aufgehört; denn dieſer be⸗ ſtehe nur ſo lange, als das Empfindungsvermögen vorhanden ſei. Aber ich glaube nicht daran, auf dieſe Weiſe würden die armen Thiere, welche keinen Ver⸗ ſtand haben, nicht leiden. Die ganze Nacht verging ſo. Von einer Stunde zur andern kam der Arzt, er

ließ ihm zu Ader, er legte ihm Senfpflaſter auf; aber

alles dies, indem er den Kopf ſchüttelte; man ſah wohl, daß er, um ſich in ſeinem Gewiſſen zu recht⸗