Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
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I.

Wir ſprechen von der Zeit zwiſchen dem Frieden von Tilſit und dem Congreſſe zu Erfurt, das heißt von der Zeit des höchſten Glanzes des Kaiſerreichs.

Eine Dame ſaß in ihrem Morgennegligé, beſtehend aus einem langen Schlafmantel von indiſchem Mouſſelin mit prachtvollen Valenciennen beſetzt, unter welchen man nichts als die Spitzen von ein paar Sammtpantoffeln hervorblicken ſah, mit einem Kopfputze nach der Mode jener Zeit, das heißt auf der Spitze des Kopfes thro⸗ nend und die Stirne mit zahlreichen Locken von kaſta⸗ nienbraunen Haaren umſchattend, welche durch die Re⸗ gelmäßigkeit ihrer Ringeln verriethen, daß der Haar⸗ künſtler ſo eben erſt da geweſen dieſe Dame ſaß alſo auf einem mit blauem Atlas überzogenen Sopha in einem reizenden Boudoir, welches das entlegenſte Zimmer einer Wohnung im erſten Stocke in Nro. 11 der Straße Taitbout war.

Zunächſt wollen wir einige Worte über die Dame, dann über das Boudoir ſagen, und hierauf wollen wir auf die Sache ſelbſt eingehen.

Wir ſagten, eine Dame; wir hätten aber beim erſten Anblick faſt ſagen können, ein junges Mädchen, denn obgleich ſie ungefähr ſechsundzwanzig Jahre zählte, ſo ſchien ſie doch nicht älter als neunzehn zu ſein. Dieſe Dame war außer der Zierlichkeit ihrer Taille, der Feinheit ihrer Füße, und der Weiße ihrer Hände mit einer jener Figuren ausgeſtattet, welche zu allen