Teil eines Werkes 
3. Bd. (1835)
Einzelbild herunterladen

12

Mitleid; es iſt nichts, als heimlicher aber gifti⸗ ger Hohn; die abgeſchmackte weibiſche Welt läßt ſich eine Naſe drehen, wenn ſie's fürwas Beſſ⸗ res hält.

Ach, Ihr mißverſteht mich ganz, entgeg⸗ nete der Freiberger mit einem täuſchenden An⸗ ſtrich von Treuherzigkeit;ich wollte ſagen: es thut mir leid, ſo oft ich daran denke, wie wenig Ihr in der Welt Euer Glück machen werdet, wenn Ihr Eure Leidenſchaften ſo ſchlecht zu bändigen, Eure Geſinnungen blos ſo ſpinnweben⸗ mäßig zu verbergen verſteht! Ich habe Euch doch von Kindesbeinen an nach meinem beſten Wiſſen und in aufrichtiger Treue die Lehre ein⸗ geprägt, daß Ihr immer den Kürzern ziehen werdet, ſo lange Ihr Euch ſo gebt, wie Ihr ſeid. Ich habe doch wahrhaftig keinen Grund, Euch untreu zu rathen, denn ich liebe Euch ja, und habe keinen andern Zweck, als Euch zu nützen; ſo wenig ich übrigens Eurem Vater oder Bruder zu ſchaden beabſichtige; hm, ſo habe ich mich nun einmal an Euch angeheimelt, und Ihr ſeid mir ſo lieb, als wär't Ihr mein leiblicher Sohn. Mein Gott! was habt Ihr

4