— 65— cei befreit hatte, ein ſchönes Reitpferd mit Sattel und Zeug, und einen anſehnlichen Zehrpfenning auf
den Weg. Hiermit machte Franz eine ziemlich
bequeme Reiſe und kam, kurz vor der Zeit der Tage und Nachtgleiche, glücklich in ſeiner Vaterſtadt Bremen an. Als endlich dieſer längſt gewünſchte Tag erſchien, ſtand er auf, ehe der Morgen grauete, und eilte nach der Weſerbrücke hin, wo noch kein Menſch ſich hören oder ſehen ließ. Er ſpazierte auf und ab, und war voller Erwartung, wer der Freund ſeyn würde, der ihm den Weg zu ſeinem Glücke zeigen ſollte. Nach und nach wurde es auf der Brücke lebhaft. Es kamen viele Bettler, Lahme und Blinde, um die Mildthätigkeit der Vorübergehenden anzu⸗ ſprechen. Unter ihnen befand ſich auch ein alter abgedankter Soldat, mit einem hölzernen Beine, der Franzen zuerſt um eine Gabe bat. Dieſer gab ihm in der Freude ſeines Herzens, weil er an dem Tage ein großes Glück erwartete, ein Vier⸗ groſchenſtück. Der alte Soldat, dem lange Niemand ſo viel auf nmal gegeben hatte, dankte ihm ſehr herzlich. Je höher die Sonne herauf kam, deſto ſtärker ward auf der Brücke das Gewühl von Kut⸗ ſchen, Frachtwagen, Reitern und Fußgängern aller Art. Franz faßte, ſo viel er konnte, jeden ſcharf ins Auge, und hoffte, daß vielleicht einer oder der andere ihm etwas ſagen würde, aber Niemand be⸗
(Maͤhrchen.) 6 küm⸗


