— 285— waͤrtsſchreiten der Kunſt nie auslernen; aber ein jeder rechtſchaffener Muſikus ſollte meinem Be⸗ dünken nach, mit dem Weſen und der Behand⸗ lung mehrerer Inſtrumente bekannt ſeyn, um ihren Werth und ihre Anwendung genau ermeſſen zu können. Neben ſolchen Eigenſchaften habe ich auch an Dir rühmen können, daß Du im ein⸗ fachen und doppelten Contrapunkte wohl erfahren biſt, und jedes beliebige Thema im galanten wie im ſtrengen Style zu bearbeiten verſtehſt. Ich weiß recht wohl, daß die heutige Welt die Mu⸗ ſik als eine freie Kunſt nicht mehr nach Innungs⸗ geſetzen behandelt ſehen will, und über das Mei⸗ ſter⸗, Geſellen⸗ und Lehrlingsweſen darin lächelt, auch ſolche, die es noch damit halten, als unter⸗ geordnete Muſiker— als Muſikanten— betrach⸗ tet. Aber nimm immerhin den Lehrbrief aus Va⸗ tershand. Er iſt ein Geſtändniß meiner Aner⸗ kennung Deiner Tüchtigkeit, und dann mag ich auch darum die alte Sitte gern beibehalten, weil es doch noch warlich eine ſchöne und heitere Kunſtzeit war, in welcher der große Lauteniſt
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