Druckschrift 
Stimmen des Lebens : drei Erzählungen / von Georg Döring
Einzelbild herunterladen

4

Angeſicht eben ſo bleich, als es früher roth ge⸗ worden; den ſtrahlenden Blick trübte eine Thräne, und aus der beengten Bruſt ſtieg ein tiefer Seufzer empor.

Meiſter Nikolaus aber bemerkte hiervon nichts. Er war gerade im Begriff, die Umriſſe einer Judith und eines Holofernes auf die Leinwand zu werfen, und da hätte wohl ein ganzes Dutzend Münchner Jungfrauen roth und blaß werden, auch gewaltige Seufzer im Chorus ausſtoßen können, ohne daß er ſonder⸗ liche Rückſicht darauf genommen hätte. Warum aber das allerliebſte achtzehnjährige Clärchen, dem die fremden Kaufherri, welche

während der Dult zweimal im Jahre auf einige 3 Zeit bei dem Oheim ihre Wohnung nahmen, ſchon recht viel von ſeiner Allerliebſtheit vorge⸗ ſprochen hatten, ſo gar plötzlich roth und bleich geworden, überdem ganz gegen ſeine ſonſtige Gewohnheit aus dem A moll geſeufzt und nicht aus dem A dur gelacht hatte, als der Oheim den ſchmucken jungen Reiter bei Namen genannt,