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Freikugeln : prosaische und poetische Schüsse in Erzählungen, Novellen und Gedichten / von Georg Döring
Entstehung
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war das verlaſſene Maͤdchen einer kraͤnkenden und nagenden Verfolgung ausgeſetzt, welche Frau So⸗ werby, wie ſie meinte mit der beſten Abſicht, ordent⸗ lich in eine Art von Syſtem zu bringen wußte.

Bei einer großen Eitelkeit war Frau Sowerby liſtig und ränkeſüchtig, ohne übrigens im Geringſten zu ahnen und zu glauben, daß ſie auch nur irgend einen Fehler oder eine Schwaͤche beſitze. Sie wähnte, Marien mehr als Alles auf der Welt zu lieben. Marie, die arme Waiſe, konnte ihr Glück nur in der Verbindung mit dem wohlhabenden Pfarrer fin⸗ den. Dahin mußte ſie ſelbſt wider ihren Willen gebracht werden. Tief im Hintergrunde von Frau Sowerby's Seele lauerte aber, ihr ſelbſt kaum be⸗ merkbar, das eitle Gelüſt, alsdann ſelbſt eine wich⸗ tigere Perſon zu werden, und durch die junge Pfarrersfrau einen eben ſo nützlichen, als ehrebringen⸗ den Einfluß auf die Gemeinde zu erlangen. Die Chriſtenpflicht gebot überdem, ein ſo reizendes und unſchuldiges Mädchen baldmöglichſt den Gefahren zu entrücken, in welche ſie ihre Schönheit bringen könne. Da war denn natürlich kein beſſeres Mittel, als ſie mit einem Manne zu verbinden, dem es an Glüucks⸗ gütern und an einer ehrenvollen Exiſtenz nicht fehlte!