Druckschrift 
Freikugeln : prosaische und poetische Schüsse in Erzählungen, Novellen und Gedichten / von Georg Döring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

„Wo iſt Florentine?“ ſchrie er ſie an.

Entſetzt vor dem Schreckensbilde floh das Mäd⸗ chen. Da riß Eugenio die Thüre des Wohnzim⸗ mers auf. Noch ſchützte ihn bei dem Anblicke, der ſich ihm darbot, eine huͤlfreiche Hand, daß die Furie des Wahnſinns nicht auf ihn eintrat.

Die Geliebte ſeiner Seele lag vor ihm— eine Leiche— in der linken Bruſt eine tiefe, klaf⸗ fende Wunde; der alte Marcheſe ſaß weinend am Fuße des Sargs.

Sprachlos ſtarrte Eugenio das furchtbare Schau⸗ ſpiel an. Der Marcheſe ſtand langſam auf und ſprach faſt lautlos:

„O! es gibt höhere, ſchreckliche Maͤchte, die das Heilige höhnen, und in deren Hand ſelbſt die Unſchuld gegeben iſt. Siehe ihr Opfer!“

Eine furchtbare Ahnung durchzuckte den unglück⸗ lichen Bräutigam.

„Wer— wer—“ mehr vermochte er nicht zu ſtammeln.

„Wer der Mörder iſt? das frage die da oben oder da unten. Geſtern, wenige Augenblicke vor Mitternacht, begleitete ich mit der Tochter zwei ihrer Freundinnen, die zum Beſuche da geweſen, bis un⸗