6 ihm an ſeinem nahen Geburtstage— eine blühende
Aloe zum Geſchenk mache. Dieſes ſey ſein unum⸗ ſtößlicher Wille.
Der Armeeliferant Luchs fuhr bei Anhörung die⸗ ſer ſeltſamen Bedingung ungeſtüm auf und meinte: ob ſein geſpickter Geldſack nicht hundertmal mehr werth ſey, als ſo eine lumpichte Aloe, die ihm
heute noch weit bitterer vorkomme, als wenn er ſie
zum Magenreizmittel im Likör ſich in der Apothecke verabreichen laſſe? Der Alte aber blieb bei ſeinem Sinne. Der Leibchirurgus Brandhahn entgegnete: er ſchätze die Aloe ungemein als wunderthätiges Ar⸗ kanum, allein es ſey ihm ſehr wohl bekannt, daß dieſe Pflanze in Europa höchſt ſelten ſey, und über⸗ dem alle hundert Jahre ihre Blüthe entfalten ſolle; deshalb möge der Herr Hofgärtner dieſe fatale Con⸗ dition erlaſſen! Der aber lächelte ſonderbar und ſprach: der wahrhaften und reinen Liebe würde es wohl gelingen, auch die blühende Aloe aufzufinden.
Der Regierungsſecretär Friedau war der einzige, der mit ſtummen Erglühen des Alten Rede anhörte, ſich verbeugte und, indem er eine Thraͤne im Auge zerdrückte, das Zimmer verließ. Heimbrand aber
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