— 17—
auf eine andere Weiſe nützlich zu ſehn, als durch den Blumenverkauf. Es träfe ſich gar oft bei die⸗ ſem, daß ſie unartigen Menſchen begegne, und ſie würde weit lieber eine häusliche Handarbeit, wie Nähen, Sticken oder auch nur Stricken unterneh⸗ men, weil ſie dann auch etwas gewinnen könne, ohne ſich von den kranken Eltern zu entfernen.
„Und du verſtehſt von allem dieſem nichts?“ konnte ich mich nicht enthalten auszurufen:„nicht einmal Nähen und Stricken?“
„Du lieber Gott,“ antwortete Röschen, in⸗ dem ſie ſehr offen zu mir aufblickte,„wo hätte ich das lernen ſollen? Meine Mutter iſt krank, ſo lange ich mich's erinnern kann, und der Vater hatte immer genug zu thun, das zu erwerben, was zu Pflege und Arzneien nöthig war. In ihren guten Stunden unterrichtet mich wohl die Mutter, aber das, worin ſie mich unterrichtet, ſoll ich nicht eher in der Welt anwenden, als bis ſie es haben will.“
„Und was iſt das?“ fragte ich in einiger Spannung.
„Ich darf es nicht ſagen,“ erwiederte ernſt das Mädchen.„Das habe ich ihr und dem Vater ver⸗ ſprochen, und ich halte mein Wort. Schreiben hätte ich auch für mein Leben gern gelernt,“ fuhr ſie dann
III. 2


