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mit ihr, der ſeiner Seele ganz anzugehören ſchien, ſeine ganze Zukunft beglücken? Hed wig befand ſich unter den liebevollen Menſchen, die Alles thaten, ihr Freude zu bereiten, ihr innigen Dank an den Tag zu legen, in einem ſo ſchönen Verhältniſſe, wie ſie bis jetzt noch nicht gekannt hatte. Liebe von Außen, eine entgegenkommende Liebe war das, was ihrem frühern Leben fehlte und dieſe Entbehrung hatte ſte zu Kaltſinn und Stolz verleitet. Jetzt erſt lernte ſie den ganzen Werth des Familienlebens kennen. Die erſten Tage, die erſten Wochen nach ihrer Ankunft gingen noch unter zweifelhaften Em⸗ pfindungen, unter Furcht und Hoffnung über die Beſtändigkeit von Ottokar's Geneſung vorüber. Der junge Mann aber blieb froh, heiter und glück⸗ lich. Hedwigs Nähe, der inniger werdende Um⸗ gang mit ihr, belebten ihn und durch ihn die ſeini⸗ gen zu einem ſchönen, friedlichen Genuſſe des Da⸗ ſeyns, und als nun an einem ſtillen Abende, wo die ganze Natur in ihrer Ruhe Liebe athmete, Ot⸗ tokar und Hedwig vor die Mutter traten und um ihren Segen für die Vereinigung ihrer Herzen ba⸗ ten, da willigte dieſe mit freudiger Rührung ein und ſie und ihre gute Tochter waren nun überzeugt, daß nichts mehr das Glück ihres Lieblings ſtören könne.
Wie ſie hofften und wünſchten, ſo geſchah es auch.


