36.
Mit dieſer abſcheulichen That kehrte, als ſte vollbracht war, ihre vollkommene Beſin⸗ nung wieder. Sie laͤßt die Nadel fallen, ſinkt auf ihre Knie, legt das Kind in's Laub und wirft ſich uͤber ſeinen Leichnam. Aller Schmerz der Verzweiflung zerriß ihr Herz. „Mein Heiland! rief ſie, was hab' ich ge⸗ than?“ Schreiend ſtuͤrzte ſie dem Kirchhofe wieder zu, zerſchlug ihren Buſen, deſſen ſtuͤr⸗ miſches Aufwogen die, das Gewand zuſammen⸗ haltende Nadel nicht mehr hinderte, und wand ſich die zarten Haͤnde wund und blutig. An der Kirchhofsmauer, unter dem duͤrren Hollun⸗ derſtrauche, der das Fluchgrab Mariens bezeichnete, ſank ſie nieder. Jetzt ſteht ſte wieder auf, wankt taumelnd zur Laube zuruͤck, nimmt
des Kindes Leichnam in ihre Arme, bedeckt ihn mit ihren Kuͤſſen, kratzt mit ihren.


