Harren und Sorgen. 41
nächſte Tag? Ich weiß auch von dem allem, was du an⸗ geführt, wenigſtens ungefähr. Du kennſt ja meine Cor⸗ reſpondenten. Nur die letzte Nachricht, das von den Truppen, iſt mir neu, allein dergleichen ließ ſich erwar⸗ ten. Die Ueberſiedlung nach G. iſt beſchloſſene Sache, die Anſammlung von Geſchützen zur Küſtenbefeſtigung richtig— man denkt, wie es ſcheint, an eine Landung der Ruſſen, vielleicht auch der Schweden. Es bereitete ſich dort, wie wir wiſſen, längſt etwas vor. Ich ritt, als ich Hoven's Brief erhalten, nach G., um Genaueres über alle dieſe Punkte zu erfahren und— wo möglich zur Ver— nunft zu rathen. Du kannſt dir denken, daß die heu⸗ tige Execution, wie die Burſchen nun einmal ſind und wie die Stimmung überall auf das äußerſte angeſpannt iſt, die Ruhe nicht gerade erhalten kann.“— Er hielt inne.
Nach einer Pauſe meinte ſie mit feſtem Blick:„Du haſt noch etwas, Alter— vielleicht das Schlimmſte? „Heraus damit! Sind ſie ſchon losgebrochen?“
Er nickte ſachte vor ſich hin.„Sie nicht— aber Einer iſt losgebrochen,“ verſetzte er ganz leiſe.„Auf dem Rückwege von G. lief mich im Bertelshöfer Holz Einer an mit der Nachricht, daß— ſeit heute Mittag— Vial verſchwunden— frei iſt.“
Sie zuckte hoch auf.„Vial?“ flüſterte ſie mit ent⸗ ſetztem Blicke;„hat er alſo wirklich noch gelebt—? Wo haben ſie ihn denn verborgen—“
Er machte eine raſche Handbewegung, die ſie inne⸗ alten ließ.„Das kümmert dich nicht,“ ſprach er.„Danke hoch Gott für dieſe Unwiſſenheit. Ich weiß ſelbſt nichts


