Der Zug von Drohin. 23
Schwall der Vorwürfe dazu Zeit gelaſſen, anfänglich keiner Antwort mächtig.
„Laſſen Sie die Dummköpfe jetzt gehen, Herr Bri⸗ gadier,“ ſprach Renaud endlich barſch.„Wir müſſen alſo auch ſo fertig werden. Nur keinen Lärm! Morgen wird ſich die Strafe finden. Der Poſten bei den Ruinen iſt doch zuverläſſiger?“
„Aber um Gottes willen, mein General, Herr Bri⸗ gadier!“ rief hier endlich der Elſäſſer gleichfalls in ſeinem ſchlechten Franzöſiſch;„der Zug iſt ja ſchon vor einer Stunde an uns vorbei paſſirt, und eben weil wir nicht ſelbſtſtändig handeln durften noch konnten und gar kein Zeichen von hier vernahmen, wo die Erſcheinung längſt gleichfalls vorüber ſein mußte, brachen wir endlich auf.“ Und damit erzählte er ſeinen immer verwunderter darein ſchauenden Zuhörern alles, was wir vorhin den Leſern geſchildert haben. Die Ankömmlinge erfuhren nun dafür, daß man hier nichts von dem Zuge bemerkt, ja, nicht ein— mal geahnt hatte, daß derſelbe bereits unterwegs. Die an der Liſière aufgeſtellten Poſten hatten weit und breit nichts geſehen, obgleich ſie faſt jene ganze, durchaus offene Ackerbreite von ihren Plätzen aus überſehen konnten.
Die Sache wurde immer verwickelter und ſeltſamer, als man alsbald auch von dem Poſten an den Kloſter⸗ Ruinen und eine Stunde ſpäter von den Douaniers, die beim Drohiner Schloſſe im Verſteck gelegen, erfahren mußte, daß weder die Einen noch die Anderen irgend et⸗ was geſehen hätten. Aus dem Drohiner Schloſſe war der Zug nicht gekommen und zum Lehrsdorfer Kloſter nicht


