316 Zehntes Kapitel.— Land und Leute.
Unterdeß war Vial zu Stephanien getreten, die ſeine Aufforderung mit kurzem Nicken annahm, langſam ihre Arbeit fortlegte, langſam ſich erhob und ſeinen Arm nahm, alles mit der Nachläſſigkeit und Kälte, die ſie ſelbſt vor⸗ hin, während der Erzählung des Vetters, kaum einen Augenblick verlaſſen hatte. Das alles währte ſo lange, daß inzwiſchen die Uebrigen ſchon das Gemach verlaſſen hatten.
Da mit einem Male zuckte es durch das Geſicht des Mädchens mit einer raſchen und heftigen Bewegung, und ſie murmelte:„Merken Sie denn gar nicht, Vicomte, daß man mit Ihnen ſpielt? Sind Sie denn ganz blind? Sa⸗ gen Sie es gerade heraus— laſſen Sie mich gegen die Tante im Stich?“
Sein Auge ruhte brennend auf ihr, aber es war nur ein einziger Blick, dann zog es wie ein faſt zärtliches Lä⸗ cheln über ſein Geſicht und er flüſterte:„Thörichtes Kind! Begreifen Sie doch, daß ich leider noch mehr zu thun habe, als zu lieben!— Mein Herz für Sie, mein Kopf aber—“
Er brach ab vor der heftigen, faſt zornigen Bewe⸗ gung, die er ſeine ſchöne Begleiterin machen ſah und noch mehr fühlte. Sie betraten jetzt auch gleichfalls den Speiſe⸗ ſaal und ſchloſſen ſich den Uebrigen an. Stephanie ſah hochmüthiger aus, als je.


