30 Zweites Kapitel.
Decke und blitzte an dem ſpiegelblanken, prachtvollen Sil⸗ berzeug, mit dem der Theetiſch bedeckt war. Die hellen Flammen, welche vom Kamine aus eine ſchon willkom⸗ mene Wärme verbreiteten, hatten gegen dieſe Flut der Beleuchtung für das Auge etwas Mildes und Beruhigen⸗ des, ſo traten ſie dagegen zurück; und nur wenn von Zeit zu Zeit eine beſonders hohe und glänzende Flamme von dem dürren Holze emporſchlug, vermochte ſie in der Nähe des Kamins für einen Augenblick das eigene Licht vor dem der Kerzen zur Geltung zu bringen und die Blumengewinde des dichten Bodenteppichs in ihren glühen⸗ den Farben deutlicher ſichtbar werden zu laſſen.
Der Raum war, wie geſagt, nicht groß, ſondern nur ein geräumiges Gemach, wie man es in ſolcher Ausdeh⸗ nung gern zum Verſammlungsplatze für einen größeren Familienkreis und ein paar gute Freunde benutzt, und ſo prachtvoll es ausgeſtattet war— aus all. dieſer gediege⸗ nen und wir möchten ſagen, anmuthigen Pracht ſprach ein ſolches Behagen hier, eine ſolche Ruhe da, daß ein fremder Beobachter die zahlreichere Geſellſchaft, welche die glänzende Beleuchtung zu erheiſchen ſchien und die jetzt dennoch fehlte, ſicher auch nicht vermißt haben würde. Denn ſo hell es war, zu hell wurde es darum nicht; die Farbe der Tapeten, der herabgelaſſenen Vorhänge und Portièren dämpfte das Licht wieder, ſo daß jeder An⸗ ſchein von Prunk und Feſtlichkeit verloren ging, und da, wie ſchon angedeutet, das Gemach auch in ſich abgeſchloſ⸗ ſen und nirgends eine Thür in ähnlich beleuchtete und geſchmückte Räume geöffnet war, ſo genügten die wenigen


