2 Erſtes Kapitel.
ruhig durch die rauhen Finger gleiten, als gäbe es auf Meilen hinaus nichts weiter für ihn zu beachten, wie ſeine Arbeit hier und die weidende Herde dort drüben.
Von dem Fremdling da neben ihm ſchien er gar nichts mehr zu ſehen, die waſſerblauen Augen ſtreiften wenigſtens an demſelben mit einem vollkommen gleichgültigen, um nicht zu ſagen: ſtumpfen Blicke vorüber, über die Fläche hin und den weidenden Schafen nach. Erſt nach einer langen Pauſe wandte er dem weißzottigen Hunde, der mit buſchig erhobenem Schwanze und geſträubtem Rückenhaare den Hühnerhund an der Leine des Fremden knurrend um⸗ kreiste, einen kaum lebensvolleren Blick und ein paar unverſtändliche Laute zu, worauf das Thier, blitzſchnell auf-⸗ und nach der Herde ſich umſchauend, jäh davon fuhr, um bei den Schafen die gewünſchte Ordnung wieder her⸗ zuſtellen. Sein Herr bekümmerte ſich nicht darum, ſondern ſtrickte ruhig weiter.
Sein Gegenüber, ein reiſender Jäger wie es ſchien, hatte das Gewehr, einen zierlich, ja prächtig gearbeiteten Doppellauf, deſſen Schlöſſer mit einem ſchwarzſeidenen Tuche zum Schutze gegen Feuchtigkeit umwunden waren, auf den Boden gleiten laſſen, ſtützte den Arm auf den Lauf und ſchaute nun ſeit den letzten Worten des Schä⸗ fers ſchon ſtumm bald auf dieſen, bald auf die Gegend umher. Ein paarmal regte ſich in ſeinen Mienen etwas, als wolle er vielleicht eine neue Frage verſuchen; jedesmal aber ſchloſſen ſich die halb geöffneten Lippen wieder, und ſein Blick wanderte von neuem mit einem noch nachdenk⸗ licheren, faſt zweifelvollen Ausdrucke in die Weite hinaus,


