Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1854)
Entstehung
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welches dem Lumpenkübler zunächſt ſeiner Wohnung ange⸗ wieſen worden war, unter der Bedingung, daß ſeine Frau und Kinder nicht mehr betteln gingen, hatte bis jetzt kein anderes Erzeugniß hervorgebracht, als Hühnerdarm und breiten Wegerich, die jedoch von üppigen Brombeerſtauden verdrängt worden waren, uͤber welches Unterholz bereits junge Tannen nebſt Eichen⸗ und Buchenſämlingen kräftig emporſchoſſen; heute war dort ein reges Leben und es ſchien, als ob dem angehen⸗ den Urwald der Untergang geſchworen ſei. Mit einer ſchweren Reuthaue bewaffnet ging der Lumpenkübler in eigener Perſon unter Schnaufen und Aechzen dem wirren Geſtrüppe zu Leibe, während Liſi und Bethi, da die beiden Herren gegangen kamen, drauf los hackten, als gälte es heute noch die halbe Amtei umzukarſten; etliche große Motthaufen wirbelten da⸗ neben ihre blauen Rauchſäulen in die Höhe. Vor dem Hauſe ſaß Kienholzanni, dießmal in ſeinem beſten Staat und drehte emſig ein Butterfaß. Hinter dem Hauſe hervor klang es hell, wie das Dengeln einer Senſe. Aus dem Geißſtall heraus, der ſeit langem kein anderes lebendes Weſen beherbergt hatte, als zuweilen ein Schwein, aber ein zweibeiniges, nämlich einen oder den andern von des Lumpenküblers Gäſten, der zu viel des edlen Schnapſes zu ſich genommen hatte, tönte jetzt ſogar ein traulichesMuh und zwar in ſo verſchiedenen Tonarten, daß man daraus auf einen Viehſtand von mindeſtens ſechs Häuptern ſchließen mußte. Rudeli ſelber, dem eigent⸗ lich der Beſuch der beiden Herren galt, war höchſtens an den großen braunen Augen zu erkennen, denn Anni hatte ihn ſauber gewaſchen und glatt gekämmt und Poveretti, der heute, da es galt einen Schalksſtreich auszuführen, tauſend Hände beſaß, hatte ihm eigenhändig aus einem von Liſi's Tſchöpen ein Wamms und aus einer von Bethi's Schürzen ein Paar Hoſen geſchneidert. Halb hinter einem Baum verſteckt ſchaute der Bube voll Verwunderung auf das ungewohnte Treiben, deſſen Grund er nicht errathen konnte.