Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1854)
Entstehung
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horn blaſen, und die Gletſcher mit den Bettelbuben, welches wahrſcheinlich die Gletſcherläuſe ſind, welche die Gelehrten entdeckt haben wollen.

Nach dieſen Worten wandte ſich der Träger wieder um, einen leuchtenden Blick auf das Dorf, die Weiden, Wälder und Berge zu werfen, und rief dann:Bin doch am liebſten ein Siebenthaler*), wenn ſchon die Engländer hier nicht ſo gut gerathen als im Bödeli oder im Haslithal. Sind doch im Siebenthal die ſchönſten Alpen. Wo wächst ſüßeres Gras? wo ſtehen mächtigere Tannen? wo kauft man feinere Roſſe und ſchönere Rinder als zu Erlenbach auf dem Markt? wo finden ſich der braunen Häuſer ſo zierliche wie in Latterbach und Oberwyl, in Därſtetten und Boltigen? wo ſieht einer hübſchere Mädchen und flinkere Knaben, als grad im Sieben⸗ thal? Mag denen von Lauterbrunnen und Grindelwald ihre Engländer wohl gönnen; am liebſten bleibt mir doch das grüne Siebenthal.

Dieß alles brachte der geſprächige Führer in der weichen ſingenden Mundart der Thäler des Oberlandes vor, welche beinahe lautet wie die Sprache der Minneſänger des zwölf⸗ ten und dreizehnten Jahrhunderts. Ich hätte ihm noch lange mit Vergnügen zugehört, hätte er nicht ſelber zum Aufbruch gemahnt.

Von nun an führte der Weg nur allmählig anſteigend den ſteilen Abhang der Schlucht entlang, aus deren Tiefe das wilde Toſen des Buntſchibaches drang, deſſen weißer Schaum durch die Gipfel der Tannen, die tief unter uns ſtanden, zuweilen zu ſehen war. Zu unſerer Rechten erhob ſich mehr als hundert Fuß über unſere Köpfe die Wand der Schlucht, meiſtens dicht bewaldet, zuweilen aber ſo ſenkrecht, daß kein

*) Im Munde des Volks heißt es ganz richtigSiebenthal und nicht Simmenthal, das Thal derSiebne(nicht Simme), welche den Namen erhielt, weil ſie aus ſieben Quellen entſpringt.