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Daß er dieſe Frage nicht der Wahrheit gemäß be⸗ antwortete, verſteht ſich wohl von ſelbſt, denn er glaubte mit richtigem Gefühl, kein Recht dazu zu haben, das Geheimniß von der Liebe Anna's Jemanden mitzutheilen. Glücklicher Weiſe aber fiel ihm bei der Frage der alten Frau die grüne Brieftaſche ein, weßhalb er unmuthig ſagte, er gerathe dadurch in eine ſchiefe Stellung zu ſei— nem unmittelbaren Vorgeſetzten, Herrn Ringel.
„So hat er wieder darnach gefragt?“
„Nicht gerade direkt, doch in einer leiſen Anſpielung, und ich ſehe ſchon, daß ich in den nächſten Tagen in den Fall kommen werde, ihm auf ſein Verlangen die Zettel zu ſehen, einfach ja oder nein ſagen zu müſſen.“
„Was aber genau überlegt ſein will.“
„Gewiß, Großmutter, und darüber möchte ich vor allen Dingen Deinen Rath hören.“
„Der iſt nicht ſo leicht, mein Sohn; nach dem, was Du mir von jenem ſonderbaren Koſtgänger des Herrn Doktor Narder erzählt, habe ich ſtundenlang die ganze Angelegenheit an meinem Geiſte vorübergeführt; dabei iſt mir auch Manches von früher her wieder eingefallen, was ich vergeſſen hatte, Aeußerungen Deines Vaters, ſowie guter Freunde deſſelben, von denen die meiſten im Laufe der Zeit geſtorben oder von hier fortgezogen ſind— kurz, ich bin zu dem ganz gewiß richtigen Ergebniß gelangt,


