wäre, demüthig und ſchüchtern um ſie werben zu laͤſſen. — Oder hatte ſie es vielleicht ſchon lange bemerkt und auch verſtanden, wenn er ſie, wie wohl oft ge⸗ ſchehen, ſinnend mit ſeinen großen, dunkeln Augen an⸗ geſchaut hatte, wenn er es ihr durchaus nicht verhehlte, daß ein kleiner Auftrag, den ſie ihm gab, ihn ſo glücklich gemacht, wobei er ihr allerdings mit ſchüchternen Worten geſagt, wie er jede Minute daran gedacht, wie das, was ſie ihm befohlen, wohl am Beſten auszuführen ſei?
So liebte ſie ihn denn wirkl lich, glühend, aufopfernd,
wie man ſich nur die erſte Liebe eines jungen Mädchens
denken konnte— ah faſt zu glühend, faſt zu aufopfernd — der Gedanke verwirrte ſeinen Sinn, erregte in ihm ein ſchwindelhaftes Gefühl von Glück, das überwältigend geweſen wäre, wenn nicht ein anderer Gedanke, der ihn ſchon in ihrer Gegenwart fröſtelnd durchſchlichen,(taltes Waſſer auf ſein glühendes Herz gegoſſen hätte— der Gedanke nämlich, daß ſie mit Phantaſie und L Leddenſchaft Paul und Virginie geleſen— ja vor Kurzem geleſen— heute geleſen oder ſich von Fräulein Eliſe habe vorleſen laſſen. Denn das Buch, welches dieſe in der Hand hielt, als er heute Morgen den Wintergarten betrat, konnte nichts Anderes geweſen ſein, als das berühmte Werk von Bernardin de Saint⸗Pierre.
Dieſe kühle Idee gewann nach und nach die Ober⸗
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