Teil eines Werkes 
1. Bd. (1868)
Entstehung
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hob und der jungen Dame entgegentrug; dieſe nahm ihn mit ihren beiden Händchen und faßte dabei auch zu glei⸗ cher Zeit die Hand der alten Frau, ſie auf ſolche Art herzlich begrüßend, wobei ſie im reinſten Franzöſiſch ihre Freude ausdrückte, daß Madame Reveillot gekommen ſei, um wieder einmal eine ihrer kleinen Launen zu be⸗ friedigen.

Als dieſe nun in der gleichen Sprache die freundliche Anrede beantwortete, glänzten ihre Augen noch lebhafter, und die Gewandtheit im Ton und Ausdruck, mit der ſie ſich jetzt ausſprach, ſchien ſich auch ihrem ganzen Weſen mitzutheilen, und als ſie ſich auf das Erſuchen des Fräu⸗ leins von Martini neben dieſem niederließ, that ſie das mit dem Anſtande einer ſehr vornehmen Dame, was ſelbſt Madame Fichtner veranlaßte, dem andern jungen Mädchen die Bemerkung zuzuflüſtern,es iſt doch etwas Eigenthümliches mit dieſen alten Franzöſinnen; wenn man ſelbſt weiß, daß ſie gewöhnlicher Herkunft ſind, ſo haben

doch manche unter ihnen den allerbeſten Anſtand von der Welt.

Es war nun allerdings eine Laune, weßhalb Anna von Martini die alte Büglerin zu ſich hatte bitten laſſen, oder machte es ihr vielleicht Vergnügen, aus deren Munde das reine Franzöſiſch der Touraine zu hören, denn das junge Mädchen ſprach wenig und veranlaßte Madame