denn ſo aufrecht und ſtolz war ihre ganze Haltung, ſo ſicher und ruhig war ihr Gang.
Madame Reveillot wandelte durch mehrere Straßen faſt bis an's andere Ende der Stadt in eines der rei⸗ cheren Viertel, wo die Häuſer nicht mehr bürgerlich eng zuſammenſtanden, ſondern mitten in kleineren und größe⸗ ren Gärten, durch dieſe ſich jede zudringliche Nachbarſchaft ferne haltend. Vorne an der Straße waren zierliche Gitter mit ähnlichen Thoren, wohl auch maſſive Mauern mit Eingängen, welche durch Niſchen und Säulen verziert waren und hie und da in der Krönung das Wappen des Beſitzers zeigten.
Vor einem der letzteren, an welchem ſich neben dem Klingelzug eine Meſſingplatte befand, auf welchem ein⸗ gravirt war: ‚von Martini und Sohn,, blieb ſie ſtehen, brauchte aber nicht anzuläuten, da ein Lakai, der im Be⸗ griffe war, das Thor zu ſchließen, ſie einließ.
„Fräulein von Martini hat mich rufen laſſen, und bitte ich Sie, mich anzumelden.“
„Ich weiß, Madame Reveillot,“ erwiederte der Be⸗ diente freundlich,„kann aber-nicht ſagen, ob das gnädige Fräulein zu ſprechen iſt, jedenfalls aber Madame Fichtner, was wohl in dem Falle auf's Gleiche herauskommt.“
Und darauf wurde die alte Frau der Madame Ficht⸗ ner gemeldet und von dieſer angenommen.


