Teil eines Werkes 
7./8. Th. (1844)
Entstehung
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ſie ſagte, daſſelbe nicht mehr tragen wolle. Sie ſchrieb elf Briefe und empfahl, dieſelben frühzeitig auszutragen, namentlich den an Friedrich, mit welchem ſie die Reiſe nach England gemacht hatte. Bei einem andern Briefe befand ſich ein kleines Käſtchen, das zwei Diamantringe enthielt und für die Schweſter des Spaniers beſtimmt war, der auch einen Brief erhielt; alle dieſe Briefe be⸗ riefen die Adreſſaten zu einer Zuſammenkunft.

Zur beſtimmten Stunde kam man an; Mad. T. war noch nicht aufgeſtanden, ſie hatte ſelbſt noch uee geanne. Das Kammer⸗ mädchen wollte zu ihrer Herrin hineingehen, da ſie aber einen unerwarteten Widerſtand an der Thür fand, klopfte und rief ſie, ohne Antwort zu erhalten. Die Anweſenden erſchraken; man rief

den Polizeicommiſſär und ließ die Thüre aufbrechen; Mad. T. lag

ruhig auf ihrem Bett und ſchien zu ſchlafen. Neben ihr ſtand ein Glas und ein leeres Fläſchchen, von dem die Etikette abgekratzt war. Mad. T. ſchlief wirklich, aber den ewigen Schlaf. Ob⸗ gleich erſt 29 Jahre alt, hatte ſie zu ſterben gewußt; ſie hatte ſich ſelbſt gerichtet, verurtheilt und hingerichtet. Alle Anweſenden ſchwiegen; nur der Spanier, der an das Bett der Todten trat, ergriff eine Hand derſelben, betrachtete die Nägel und bemerkte ſchwarze Flecken daran.

Kurze Zeit darauf gab ſich ein Apotheker ſelbſt an und erklärte, daß er der Mad. T. mehrmals gewiſſe Subſtanzen gegeben habe, die ſie zu chemiſchen Verſuchen habe brauchen wollen. Mad. T beſaß nichts, weder Güter, noch Häuſer, noch Renten; mehrere Jahre lang hatte ſie Alle getäuſcht; ſie heuchelte Tugend, Freund⸗ ſchaft, Liebe und Vermögen.

Dr. Diezmann.

Gedruckt bei E. Polz in Leipzig.