durch eine glühende Leidenſchaft verleiten laſſen, die Gaſtfreund⸗ ſchaft eines Edelmanns gemißbraucht und die Tochter deſſelben in ſeinem eignen Hauſe verführt habe. Das arme Mädchen läuft nun Gefahr, durch ihre Schwangerſchaft und die. Entdeckung derſelben Ehre und Leben zu verlieren.“
Die Matrone antwortete, man könne nichts ohne ganz beſon⸗ dere Befragungen des Schickſals von einer Perſon wiſſen, und holte, um den Marquis deſto beſſer hinters Licht zu führen, ein mit ſonderbaren Bildern und Zahlen bemaltes Käſtchen. Sie nahm aus dem Käſtchen mehrere Figuren, ſtellte ſte zuſammen und ſagte, nachdem ſie einige Augenblicke vor ſich hin geſehen hatte, es ſei in der That, wie der Marquis geſagt. Um ihn noch mehr in Schreck zu ſetzen, ſagte ſie, daß er noch manches andere Unglück, größer, als das ihm bevorſtehende, zu erdulden habe, und daß es leicht ſei, dem vorzubeugen, wenn er ſich nur fleißig mit ihr berathen wolle.
„Ich fürchte nur ein Unglück,“ antwortete der Marquis,„daß das Mädchen, welches ich liebe, der Schande anheimfällt; giebt es denn kein Mittel, den gewöhnlichen Folgen einer Schwanger⸗ ſchaft und Entbindung vorzubeugen?“
„Ich kenne keines,“ ſagte die Matrone..
„Es iſt dem Fräulein gelungen, ihre Schwangerſchaft zu ver⸗ heimlichen, und ſie könnte vielleicht ganz im Stillen ihr Wochen⸗ bett überſtehen.“
„Dabei würde ihr Leben gefährdet, und ich mag mit einer ſo mißlichen Sache nichts zu thun haben.“
„Ich ſollte meinen,“ fuhr der Marquis fort,„daß eine Nie⸗ derkunft durch ein Mittel ganz ſchmerzlos vorübergehen könnte.“
„Ich kenne kein Mittel, und wenn ich eins wüßte, würde ich mich fürchten, daſſelbe anzuwenden.“
„Sie täuſchen mich, Sie kennen dies Mittel und haben es bei Jemand angewandt, den ich Ihnen nennen könnte.“


