nicht noch eine zweite Nacht unterwegs hätten zu⸗ bringen müſſen. Freilich wäre dieß nicht ſo ganz nöͤthig geweſen; aber als der Schulmeiſter in die Nähe ſeines Dorfes kam, ſo bemächtigte ſich ſeiner ein ſo beunruhigendes Gefühl ſeiner neuen Küſters⸗ würde, daß er ſeinen Einzug nicht in ſtaubigen Schuhen und Kleidern, die von der Reiſe gelitten hatten, feiern wollte. Es war ein ſchöner, klarer Herbſtmorgen, als ſie auf dem Schauplatze ſeiner Beförderung anlangten; ſie blieben ſtehen, um deſſen Schönheiten zu betrachten!
„Sieh'— da iſt die Kirche!“ rief der entzückte Schulmeiſter mit gedämpfter Stimme,„und ich wollte darauf ſchwören, daß jenes alte Gebäude dicht da⸗ neben das Schulhaus iſt. Fünfunddreißig Pfund jährlich an dieſem ſchönen Orte!“
Sie bewunderten alles— das altergraue Por⸗ tal, die mit Steinkreuzen verſehenen Fenſter, die ehr⸗ würdigen Grabſteine, welche den grünen Kirchhof betüpfelten, den alten Thurm, und ſogar den Wetter⸗ hahn; die gebräunten Strohdächer der Hütten und Scheunen, welche zwiſchen den Bäumen hervorſahen, das Flüßchen, das bei der fernen Waſſermühle ſich kräuſelte, und das entlegene, blaue Walleſergebirg. Nach einem ſolchen Orte hatte ſich Nell in den dich⸗ ten, dunkeln, armſeligen Löchern der Fabrikarbeit geſehnt. Auf ihrem Bette von Aſche und mitten unter dem unflätigen Entſetzen, durch welches ſie ſich den Weg bahnen mußte, hatten ſich Traum⸗


