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mehr Luft, und doch ſchloß man dieſelbe ſorgfältig aus, indem man ſich rund um den Gegenſtand des Mitleids drängte. Und männiglich wunderte ſich, warum nicht das von Andern geſchah, was Keinem ſelbſt zu thun einfiel.
Die Wirthin jedoch, welche behender und rüh⸗ riger war, als alle Uebrigen, und überhaupt bei dem Falle den eigenen Vortheil, der daraus erwachſen konnte, raſch ins Auge faßte, kam bald mit etwas heißem Branntwein und Waſſer beigeſprungen, wäh⸗ rend ihr Dienſtmädchen mit Weineſſig, Hirſchhorn, Riechſalz und andern Belebungsmitteln folgte. Unter gebührender Anwendung ſolcher heilſamer Arznei er⸗ holte ſich Nell ſo weit, um im Stande zu ſeyn, ihr dafür zu danken und die Hand gegen den armen Schulmeiſter auszuſtrecken, der mit ängſtlich beküm⸗ merter Miene neben ihr ſtand. Ohne ſie auch nur ein Wort ſprechen oder ſich weiter rühren zu laſſen, brachten ſie die Weiber alsbald zu Bette, deckten ſie warm zu, hüllten ihre kalten Füße, nachdem ſie dieſel⸗ ben gebadet, in Flanell und ſchickten nach einem Arzte.
Der Doctor, ein rothnaſiger Herr, dem ein großes Bündel von Petſchaften unter der gerippten, ſchwarzen Atlasweſte herunterhing, kam in aller Eile an, ſetzte ſich neben dem Bette der armen Nell nie⸗ der, zog ſeine Uhr heraus und fühlte ihr den Puls. Sofort beſah er ihre Zunge, fühlte dann wieder den Puls, und während er dieß that, beäugelte er, wie in tiefem Nachdenken, das halbleere Weinglas.


