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Wie kömmt es doch, daß wir ein Lebewohl im Geiſte weit beſſer ertragen können, als ein perſönli⸗ ches, und daß wir, trotz des Muthes zur Trennung, nicht die Kraft haben, die Scheideworte auszuſpre⸗ chen? Am Vorabende langwieriger Reiſen, oder einer Abweſenheit von vielen Jahren trennen ſich Freunde, die ſich zärtlich lieben, mit dem gewöhnlichen Blicke und dem herkömmlichen Händedrucke, zugleich noch eine Schlußzuſammenkunft für den Morgen verabre⸗ dend, während doch Jeder recht wohl weiß, daß es nur eine arme Finte iſt, um ſich den Schmerz des Lebewohls zu erſparen, und daß die nochmalige Be⸗ gegnung nicht ſtattfinden wird. Sind denn Möglich⸗ keiten ſchwerer zu ertragen, als die Gewißheit? Wir ſcheuen uns nicht, an das Sterbelager unſerer Freunde zu treten, und von Einem derſelben nicht ausdrücklich Abſchied genommen zu haben, verbittert Einem oft den ganzen Reſt des Lebens, obgleich man ſich mit aller Liebe und Zärtlichkeit von ihm getrennt hatte.
Die Stadt prunkte heiter im Glanze des Mor⸗ gens; Plätze, welche die Nacht über häßlich und ver⸗ dächtig anzuſehen geweſen, trugen jetzt ein freundliches Lächeln zur Schau, und glitzernde Sonnenſtrahlen, die in den Kammerfenſtern tanzten und durch die Läden und Vorhänge vor den Augen der Schläfer zitterten, goßen Licht ſogar in die Träume, und ver⸗ ſcheuchten die Schatten der Nacht. Vögel, in ihren dumpfigten Käſichten dicht verhüllt, fühlten, daß es


